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Mittwoch, 24. Januar 2007, 20:34

Baltimore in one Day

Die meisten Besucher erleben Baltimore nur bei einem kurzen Abstecher auf dem Weg von Philadelphia nach Washington. Tatsächlich lohnt es sich je nach Programm auch, länger als nur einen Tag in der größten Stadt Marylands zu verweilen, denn mittlerweile haben sich so viele Sehenswürdigkeiten angesammelt, dass es Schade wäre, NUR den Hafen zu sehen.

Im Folgenden will ich mich trotzdem genau darauf konzentrieren und Tipps zur Gestaltung eines Tagesausflugs nach Baltimore geben. Viel Spaß beim Lesen!

Wie andere Metropolen der USA musste auch Baltimore einen Jahrzehnte währenden Niedergang verkraften. Die traditionsreiche Hafen- und Industriestadt verlor nach dem Zweiten Weltkrieg, als die Flucht in die Vorstädte einsetzte, etwa 15% ihrer Bevölkerung und schrumpfte auf nunmehr ca. 730.000 Einwohner.
In den 70er Jahren zogen die Stadtväter die Notbremse und erinnerten sich, dass man mit dem seit dem 17. Jh. genutzten Hafenbecken Touristen locken und Geld in den Stadtsäckel fließen lassen könnte. Mittlerweile gilt die Gegend um den Inner Harbor als Paradebeispiel für gelungene Stadtsanierung und Baltimore wird von anderen Citys darum beneidet.

Tatsächlich gruppieren sich um das Hafenbecken des INNER HARBOR zahlreiche Attraktionen und wer nur einen Tag Zeit hat, der kann ihn getrost hier verbringen.

Kaum zu verfehlen ist die Glaspyramide des NATIONAL AQUARIUM. Aus nächster Nähe lassen sich hier fünf Haiarten beobachten, in einem anderen Becken tummeln sich (angeblich) 800 Fische um ein buntes Korallenriff. Die verschiedenen Zonen der Chesapeake Bay lassen sich ebenso studieren wie Vögel und Affen in einem tropischen Regenwald in der Spitze des Gebäudes. Die Eintrittspreise sind dafür gesalzen: $15 kostet das Adult Ticket, Kinder unter 11 Jahren kommen für $8,50 rein. Unbedingt zu empfehlen ist ein frühes Erscheinen. Die Warteschlangen werden sonst unerträglich lang, gerade am Wochenende. Für die richtige Einstimmung empfehle ich die Website www.aqua.org.

Gleich neben dem Aquarium ankern mehrere alte Schiffe, allesamt "National Historic Landmarks" - ein Prädikat, das in den USA durchaus großzügig vergeben wird. So alt ist das Land eben auch noch nicht... Fans maritimer Historie werden freilich ihre helle Freude haben, etwa an einem U-Boot aus dem 2. WK, einem Schiff der US Coast Guard (übrigens letzter noch schwimmender Überlebender des Angriffs auf Pearl Harbor!), einem Leuchtboot oder dem einzigen übrig gebliebenen Marineschiff aus der Zeit des Bürgerkriegs, das immerhin an der Befreiung von 700 Sklaven beteiligt war.

Wenn man schon mal an dem alten Segelschiff steht, könnte man auch gleich den Lift an die Spitze des benachbarten Hochhauses nehmen. Das Gebäude nennt sich etwas großspurig "WORLD TRADE CENTER", bietet aber aus dem 27. Stockwerk einen einmaligen Blick über Stadt und Hafen. Der Spaß kostet $3.

Danach geht´s weiter durch die benachbarte Shopping Mall. Wen bei Betreten des anschließenden Gebäudes nicht der Heißhunger überfällt, muss wahrlich ausgiebig gefrühstückt haben. Man sollte vielleicht nicht gleich dem Chocolate Fudge-Stand am Eingang erliegen, das Zuschauen bei der Herstellung der klebrigen Schokolade reicht allein schon aus, 2 Kilo zuzunehmen. Nein, wer nach Baltimore kommt, MUSS wenigstens einmal die berühmten SNOWCRABS aus der Bay probieren! An zahlreichen Restaurants und Ständen gibt es diese Spezialität, die vor allem im Frühherbst aus der Bay gefischt wird, frisch serviert. Zu empfehlen ist z.B. das all-you-can-eat Buffet ($19,95) bei Philips. Auf die Schnelle tut es freilich auch der eine oder andere Crab Cake.

Weiter geht es um das Hafenbecken herum. Kinder werden fasziniert sein vom Maryland SCIENCE CENTER. Schont auch den Geldbeutel, denn der Besuch in diesem Wissenschaftsmuseum kostet nix!

Einen tollen Blick über das bunte Treiben im Hafen und die Skyline der Stadt hat man vom FEDERAL HILL, auf dem die Baltimorer einst die Ratifizierung der Verfassung feierten.

Im Osten hinter dem MUSEUM OF INDUSTRY schließt sich der moderne Hafen von Baltimore mit seinen Containerterminals an. An der Einfahrt zum Hafen steht schließlich das FORT HENRY. Hier fühlte sich Francis Scott Key im Jahre 1814 inspiriert, die Nationalhymne "The Star-Spangled Banner" zu schreiben, als die Festung unter dem Beschuss englischer Kanonen lag. Ein Bus bringt den Besucher vom Fort Henry zurück an den Inner Harbor.

Wer nun nicht mehr laufen kann, sollte in eines der wuseligen WATER TAXIS umsteigen, mit denen man für ein paar Dollars praktisch jeden Punkt entlang der Waterfront bequem erreichen kann.

Jetzt Lust auf ein paar Krebsbeine? Falls der Sinn eher nach Ribs oder Burgern steht, kein Problem: im alten Gaskraftwerk neben dem Aqaurium befindet sich das HARD ROCK CAFE. Langes Warten auf einen Tisch ist hier allerdings obligatorisch. Der riesige Barnes & Nobles im gleichen Gebäude dient der Versorgung mit Reiseliteratur.

Unittelbar in Hafennähe liegen weitere touristisch interessante Stadtteile, LITTLE ITALY und - etwas weiter östlich - FELL´S POINT.
Natürlich gibt es in Little Italy zahlreiche italienische Restaurants. Außerdem kann man hier das Haus besuchen, in dem die Frau wohnte, die das erste Sternenbanner für die damals 13 Vereinigten Staaten nähte (Star-Sprangled Banner Flag House, 844 E.Pratt St.). Das Original hängt allerdings einige Meilen weiter im Museum of National History in Washington D.C. (Wir warten auf das Museum für den Arbeiter, der in der Manufaktur arbeitete, in der die Nadel hergestellt wurde, mit der Mary Pickersgrill, die Frau, die in der East Pratt St. von Baltimore wohnte, das erste Sternenbanner... ;) )
In den Kopfsteinpflasterstraßen von Fell´s Point lässt sich noch etwas von der früheren Atmosphäre der Hafenstadt erahnen. Aus dem heruntergekommenen Arbeiterstadtteil wurde in den letzten Jahren ein beliebtes Restaurant- und Kneipenviertel.

Westlich des Inner Harbor liegt der nagelneue Sportkomplex CAMDEN YARDS. Auf dem ehemaligen Schlachthofgelände wurden mit einem guten Schuss Steuergelder ein modernes Football-Stadion (die Baltimore Ravens tragen hier ihre NFL-Heimspiele aus) und eine Baseball-Arena (für die traditionsreichen Orioles) errichtet. Vor und nach den Spielen brodelt die Kneipenszene um den Hafen natürlich besonders...

Abseits der Hafengegend wirkt Baltimore etwas trist und mitunter fühlt man sich auch nicht ganz wohl auf der Straße. Nichtsdestotrotz lohnt es sich, z.B. die Gegend um den MOUNT VERNON SQUARE im Norden der Innenstadt zu besuchen. Eine durchaus angenehme innerstädtische Wohngegend mit zahlreichen Buchläden und Antiquariaten. Auf dem Mount Vernon Square selbst thront das 60m hohe Washington Monument, errichtet vom gleichen Baumeister wie das gleichnamige Denkmal in der Hauptstadt. Über 228 Stufen gelangt man an die Spitze des Turmes und kann den Ausblick genießen - für eine Spende von $1.
Kunstliebhabern wird die WALTERS ART GALLERY ein Begriff sein. Auch sie befindet sich am Mount Vernon Square.

Geht man die Charles St. wieder bergab und biegt bei der Fayette St. rechts ab, erreicht man die Markthalle des LEXINGTON MARKET mit seinem bunten Spektakel der Händler. An mehreren Ständen kann man die Produkte gleich probieren. Frischer geht´s nicht.

Baltimore nennt sich allen Ernstes "The City that Reads" - und das nicht umsonst. Immerhin gilt es das Erbe des größten Sohnes der Stadt aufrecht zu erhalten: EDGAR A. POE. Freilich kann man sich in der Stadt auf seine Spuren machen, das Grab etwa befindet sich in einer düsteren Gegend westlich der Innenstadt. Wie passend... Beim Baltimore Area Visitors Center kann man sich organisierten Führungen zum Thema Poe anschließen (300 W. Pratt St.)

ANREISE:

Baltimore verfügt über einen internationalen Flughafen (BWI - Baltimore Washington International), etwa 15km südlich der Stadt. Von Deutschland aus wird BWI nicht angeflogen, von Washington Dulles (IAD) bietet United Airlines aber einen Shuttle-Flug. Sehr gute Verbindungen bietet US Airways von seinen Hubs Pittsburgh und Philadelphia aus.

Mit dem Auto braucht man von Washington ca. 45 Minuten nach Baltimore, ebenso lang dauert die Fahrt mit Bus oder Bahn.
Nahverkehrszüge von Washington, die auch am Flughafen BWI halten, enden direkt an den Camden Yards und verkehren mindestens jede Stunde. Die Greyhound-Busstation befindet sich inmitten der City, etwa 10 Minuten vom Hafen entfernt.

Diesen Artikel habe ich 2000 in www.dooyoo.de eingestellt.

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Freitag, 15. Juli 2011, 22:29

Nachdem ich ein paar alte Negative habe digitalisieren lassen, kann ich diesen kleinen Reisebericht mal mit ein paar Fotos von Baltimore garnieren. Von der Stadt gibt es hier ja nirgends Bilder. Meine sind allerdings von 98.


Camden Yards Station - Hier kommt man mit dem Zug aus Washington oder vom Flughafen BWI an.








Das futuristisch anmutende Gebäude rechts ist das Aquarium.






Dem Inner Harbor schließt sich weiter draußen der moderne Hafen an.


Ganz nett ist auch das Viertel rund um den Mount Vernon Square.


Das Washington Monument mit Blick auf Downtown.


Auch abends ist der Inner Harbor gut besucht.

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Freitag, 15. Juli 2011, 22:56

Zitat

Original von OliH
Von der Stadt gibt es hier ja nirgends Bilder.


Stimmt. Deshalb hab ich auch noch nen paar...






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Montag, 21. November 2011, 21:16

Ab Juli fliegt übrigens Condor zwei Mal wöchentlich (Mo, Do) nonstop von Frankfurt nach Baltimore.
Gute Alternative auch, wenn man nach Washington will: Vom Airport-Bahnhof geht ein Zug direkt zur Union Station. Für Condor-Passagiere ist der kostenlos. Fahrtzeit: 35 Minuten. Schneller als von Dulles nach Downtown.

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Dienstag, 10. April 2012, 15:23

Condor

Ab Juli fliegt übrigens Condor zwei Mal wöchentlich (Mo, Do) nonstop von Frankfurt nach Baltimore.
Gute Alternative auch, wenn man nach Washington will: Vom Airport-Bahnhof geht ein Zug direkt zur Union Station. Für Condor-Passagiere ist der kostenlos. Fahrtzeit: 35 Minuten. Schneller als von Dulles nach Downtown.
Darf ich fragen, woher du die Info hast, dass der Zug nach Washington gratis ist?

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Mittwoch, 11. April 2012, 12:46

Stand in der Werbung, die Condor zur Ankündigung verschickt hat. Leider finde ich die Info jetzt auch nirgends mehr.

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Donnerstag, 10. Mai 2012, 16:22

Schöne Bilder! Hat sich in der Stadt seit 1998 viel verändert? Ich überlege derzeit auch ob ich meine nächste Reise Schwerpunkt-mäßig Richtung DC/Maryland/Virginia/Delaware planen soll.